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Nicht in 80 Tagen um die Welt, sondern in 7 Tagen durch den deutschen Osten ging es für mich vom 24. - 30. Mai mit der Rallye Fernost.
Rallye Fernwas???
Zusammen mit 5 anderen Nachwuchsjournalisten (Sophie, Simone, Gabriela, Rudi & Judith) und 4 Begleitern (zwei Begleitern von der Hochschulinitative Neue Bundesländer, einer Kamerafrau und einem Fahrer) besuchte ich innerhalb von 4 Tagen 4 Hochschulen in den neuen Bundesländern. Dort mussten wir als Team Blau jeweils eine journalistische und eine Entertainmentaufgabe lösen. Doch dazu unten mehr...
Neben uns gab es noch 3 andere Teams aus 6 Nachwuchsjournalisten, die jeweils andere Routen durch den Osten nahmen und andere Hochschulen besuchten.
Die Aktion wurde von der Hochschulinitative Neue Bundesländer ins Leben gerufen, damit mehr junge Leute aus dem Westen im Osten studieren gehen. Denn in den alten Bundesländern wird es in Zukunft ca. 30% mehr Studenten als Studienplätze geben. Im Osten hingegen ca. 30% mehr Studienplätze als Studenten. Warum also nicht die westdeutschen Studenten nach Ostdeutschland schicken? Da es jedoch immer noch viele Vorbehalte – seitens der westdeutschen Jugendlichen – gegen den Osten und seine Hochschulen gibt, wurde die Aktion „Studieren in Fernost“ und die Rallye Fernost ins Leben gerufen.
Um euch zu zeigen wie es sich im Osten lebt und lernt, will ich euch hier von meiner Rundreise der etwas anderen Art berichten.
1. Tag: Meet & Greet mit Prof. Dr. Diepenbrock
Am ersten Tag mussten wir alle erst mal bis in den Osten kommen. Und das war schon die erste Herausforderung der Rallye. Denn wer die Deutsche Bahn kennt, weiß dass es bei einer Verbindung mit 4x Umsteigen auch 4 Möglichkeiten gibt den Anschluss zu verpassen. Und obwohl ich die ersten zwei mal Umsteigen schon wieder Erwarten gut und pünktlich hinter mich gebracht hatte, verpasste ich natürlich in Leipzig den Anschlusszug nach Halle und kam so mit einer Stunde Verspätung im Osten an.
Nachdem wir dann alle da waren ging es erstmal zum Meet & Greet mit Prof. Dr. Diepenbrock, dem Rektor der Uni Halle. In gemütlicher Runde aßen wir zu Abend und lernten schon mal den Rektor, die Campusspezialisten (Studenten) und Organisatoren der Rallye aus Halle kennen.
Anschließend ging es sogar noch auf eine historische Stadtführung mit einem sehr witzigen Nachtwächter. Dabei stiegen wir bis auf die Marktkirche, lernten ein paar Wörter Haller Dialekt und wurden nebenbei auch noch über die Geschichte der Stadt informiert.
Nachdem wir dann noch alles notwendige für den nächsten Tag besprochen und ein kurzes Video für YouTube gedreht hatten, fielen wir alle endlich todmüde ins Bett.
2. Tag: Im Osten melkt man noch ohne Melkmaschine
Am nächsten Tag ging es dann erstmal zum Frühstück in die Mensa der Martin-Luther-Universität, Halle Wittenberg. Nachdem wir uns gestärkt hatten und bereits beim Frühstück von Kamerateams und Fotografen verfolgt worden waren, gab uns der Kustos der Uni eine kurze Führung über den Campus, der von vielen bedeutenden Architekten erbaut und sogar mit dem Deutschen Architekturpreis 2003 ausgezeichnet worden war.
Anschließend ging es dann zur agrarwissenschaftlichen Fakultät, wo wir eine Einführung in den Studiengang Agrarwissenschaft bekamen.
Nach dem Mittagessen, das wir schon wieder in der Mensa aßen, ging es dann zum Julius-Kühn-Feld, dem Forschungsacker der Uni Halle. Dort machen Agrarstudenten Experimente zu Düngung, Pflanzenfolge und anderen Gebieten der Agrarwissenschaft.
Doch wir waren nicht zum Experimentieren dort: Auf uns wartete eine Agrarolympiade, bei der wir gegen die Geisteswissenschaftsstudenten der Uni Halle antreten sollten. „Der Verlierer muss Mist schaufeln“ drohten uns Gang und Dong im Video zur Tagesaufgabe.
Nach der Begrüßung durch Herr Frosch wurde es dann ernst: Die erste Disziplin war das Wettmelken. Es traten jeweils drei Kandidaten für jedes Team an. Leider verlor Team Blau um 10ml gegen die Studienbotschafter aus Halle!
Zum Glück gab es noch mehr Disziplinen. Weiter ging es mit dem Wettpflügen, dass unentschieden ausging, allen Beteiligten aber viel Spaß machte.
Nach diesen anstrengenden Wettkämpfen waren wir so K.O., dass es erst mal eine Pause gab in der wir uns ausruhen konnten.
Doch zum Ausruhen blieb leider nicht viel Zeit – denn wir mussten ja noch einen Professor interviewen, was man an der Uni Halle nicht verpassen darf. Das war unsere journalistische Aufgabe, die wir bis 20:00 Uhr gelöst haben mussten. Aber gemäß dem Sprichwort „Wel suchet, del findet.“, fanden wir dann endlich auch einen Professor, den wir interviewen konnten.
Es konnte also endlich mit der Agrarolympiade weiter gehen. Beim Grillen ging es zur nächsten Disziplin: Bullriding, eine Art modernes Rodeo. Dabei mussten wir uns möglichst lange auf einem Plastikstier (ähnlich der Ente aus dem Tigerentenclub) halten. Auch hier gewannen leider die Studienbotschafter. Wir sahen uns schon alle den Stall ausmisten und die Verzweiflung wuchs.
Doch dann nahm die Olympiade auf einmal eine unerwartete Wende: Beim Quiz hatten die Studienbotschafter keine Chance gegen unser geballtes Wissen. Und auch beim Nageln auf Zeit zeigte Sophie, dass sie die Powernbauer hat, und führte uns zum Sieg. Die Studenten aus Halle gewannen zwar noch den Stiefelzielwurf im „Elfmeterwerfen“, doch am Ende stand es 3:3 unentschieden und das Ausmisten blieb uns erspart!
Nach einem so anstrengenden Tag waren dann gegen 02:00 Uhr alle froh endlich ins Heu zu fallen und einzuschlafen. Denn man hatte uns ein stilechtes Heubett bereitet, auf dem wir wunderbar schliefen und vom Harz träumten.
3. Tag: Heute geht’s hoch hinaus
Nach einem waschechten Bauernfrühstück ging es am nächsten Tag auf in den Harz. Dort erwartete uns sogar der Bürgermeister des beschaulichen Städtchens Wernigerode, der uns persönlich begrüßte. Danach bekamen wir die „kürzeste Stadtführung“, die der Fremdenführer je halten musste. Er zeigte uns die Burg, das kleinste Haus Wernigerodes und noch einige andere Sehenswürdigkeiten – und das alles in gerade mal einer halben Stunde!
Zum Mittagessen ging es dann mal wieder in die Mensa. Doch vorher bekamen wir noch eine Führung durch die Hochschule, an der gerade die Projektwoche lief.
Anschließend wurde uns der Fachbereich Automatisierung und Informatik vorgestellt. Dabei lernten wir auch diese putzigen Roboterhundchen kennen, von denen die Mädels natürlich direkt welche mitnehmen wollten.
Dann ging es endlich hoch hinaus zu unserer Tagesaufgabe: Wir sollten mit einem Quadrokopter – einem Helikopter ähnlichem Roboter – ein Foto schießen, wie wir auf dem Boden ein chinesisches Schriftzeichen legen.
Doch vor allem die journalistische Aufgabe machte uns zu schaffen: Wir sollten ein Foto schießen, dass die Atmosphäre des Campus wiedergibt. Nach endlosem grübeln hatten wir dann endlich DIE Idee.
Wir finden, dass das Foto „Familie HS Harz“, dass die familiäre Atmosphäre der Uni wiedergeben soll, sehr gut geworden ist – aber überzeugt euch selbst:

Als dann auch diese Herausforderung gemeistert war ging es mit einer uralten Dampflok auf den Brocken. Dort übernachteten wir im höchsten Hotel Mitteldeutschlands und rockten noch bis spät in die Nacht den Brocken!
4. Tag: Eine grüne Uni auf der blauen Route?!
Leider war es auch heute beim Aufstehen immer noch nebelig. Und dass änderte sich auch nicht, bis wir nach der Besichtigung einer ehemaligen Spionageanlagen der Stasi, wieder ins Tal fuhren. So kann ich mich nur Heinrich Heines Meinung zum Brocken anschließen:
„Viele Steine,
müde Beine,
Aussicht keine,
Heinrich Heine.“
Wieder unten angekommen ging es dann auf nach Magdeburg, wo wir eine Katastrophe zu verhindern hatten.
Nach einer kurzen Einweisung in die Aufgabe – wir mussten ein Feuer löschen – und einer Stärkung beim Mittagessen ging es dann auch schon los: Simone bewies uns, dass sie auch in brenzligen Situationen cool bleibt und machte das Feuer kalt. Und auch Sophie bewies einen kühlen Kopf und löschte das zweite Feuer. Die Uni war gerettet!
Weiter ging's zum Magdeburger Dom, wo ein Professor der Uni uns eindrucksvoll demonstrierte, wie eine Glocke ein Gebäude zum Einsturz bringen kann.
Anschließend ging es dann weiter zum Abendessen. Die Studenten hatten für uns gegrillt und so genossen wir die riesigen Parkanlagen der grünsten Uni Deutschlands.
Doch auch unsere journalistische Tagesaufgabe musste so langsam gelöst werden: Wir sollten einen 400 Wörter langen Kommentar zum Thema „Die Besten bleiben im Westen – was ist dran?“ schreiben.
Zum Glück hatte ich bereits unterwegs Meinungen aus dem Team gesammelt, so dass der Kommentar schnell geschrieben war und nur noch aufgenommen werden musste. Das Ergebnis seht ihr hier:
Nachchdem wir nun alle unsere Pflichten erledigt hatten, stürzten wir uns ins Magdeburger Nachtleben und feierten im Riff unseren Tagessieg.
5. Tag: Wir greifen nach den Sternen
Heute ging's mit dem Partybus nach Potsdam – die ganze Fahrt über herrschte Superstimmung!
Auf den ersten Blick machte die Uni am Neuen Palais (Park Sanssoucci) schon mal viel her: Wir wurden in einem barocken Gebäude empfangen und kurz über die Uni informiert. Dann ging es schon wieder zum Mittagessen – richtig geraten! - in die Mensa. Und danach zeigte uns der Leiter der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät auch noch den teils sehr futuristisch Hightech-Campus Gol(lu)m.
Dann ging es zu unserer Tagesaufgabe: Nach einer kurzen Einführung in die Astronomie und einige Übungen sollten wir direkt die Milchstraße klassifizieren. Doch – Google sei Dank – konnten wir auch diese Aufgabe lösen und durften so ins Allerheiligste der Uni: Die Sternenwarte. Dort konnten wir Mars und Saturn beobachten und nach den Sternen greifen.
Und um den Abschluss unserer gemeinsamen Tour gebührend zu feiern, luden die Studenten uns dann noch in ihr Wohnheim ein, wo wir noch feierten und zitterten, ob wir auch den dritten Tagessieg holen könnten. Leider reichte es diesmal nicht.
Die Tagesaufgabe war diesmal so klein, dass ich sie beinah fast vergessen hätte. Wir sollten eine Headline zum Campus schreiben:
6. Tag: Das Beste kommt zum Schluss
Samstags trafen sich dann endlich alle 4 Teams in Potsdam. Die Spannung wuchs mit jedem Kilometer, den wir dem Treffpunkt näher kamen!
Doch leider kamen nur das gelbe Team pünktlich, sodass der Vortrag über Filme ohne das rote Team beginnen musste. Dabei lernten wir worauf es beim Film wirklich ankommt, um danach das Konzept für unser eigenes Videotagebuch, das demnächst bei YouTube hochgeladen wird, zu erstellen.
Beim Mittagessen hatten wir dann endlich die Möglichkeit uns mit den Mitgliedern der anderen Teams zu unterhalten und zu erfahren, was sie die ganze Woche gemacht hatten.
Anschließend ging es schon los zum Kletterpark, wo der Publikumssieger (Team Grün) bekannt gegeben wurde. Außerdem musste mindestens ein Mitglied jedes Teams die Karten für das Silbermondkonzert am Abend „erklettern“. Doch auch die anderen konnten sich just for fun durch den Großstadtdschungel hangeln.
Abends ging es dann – sozusagen als Grande Finale – noch zum OpenAirKonzert von Silbermond in Potsdam, das für 6 von den insgesamt 24 Teilnehmern der Rallye sogar schon vorher mit einem Meet & Greet mit der Band begann. Die Stimmung war super und zum Glück spielte auch das Wetter mit: Es regnete keinen Tropfen.
7. Tag: Schon vorbei?
Hier trennen sich die Wege unseres Teams leider: Einige bleiben noch in Berlin, alle Anderen fahren – jeder in einen anderen Ort – nach Hause. Am Bahnhof verabschiedeten wir uns dann leider auch von unseren Begleitern, unserem Fahrer und unserer Kamerafrau, die uns super unterstützt haben! Doch dann hieß es leider Abschied nehmen und sich in den Zug nach Hause zu setzen. Kompliment an die Bahn: Ich war sogar pünktlich zu Hause.
Insgesamt habe ich wohl die geilste Woche meines Lebens (bisher) verbracht und viele nette, neue Leute kennengelernt. Und auch der deutsche Osten ist für mich inzwischen nicht mehr Fernost, sondern liegt direkt vor meiner Haustür – ich kann mir sogar vorstellen in Halle Nahoststudien zu studieren.
Wer alle Videos unseres Team sehen will, kann das unter: http://www.youtube.com/user/FernostTeamBlau tun.
Alle Tweets gibt es unter: http://www.twitter.com/team_blau
und alle Bilder findet ihr bei Flickr unter: http://www.flickr.com/photos/rallyefernost/sets/72157624047754220/
Die Zusammenfassung aller Berichte und die anderen Teams gibt es im Internet unter: http://www.studieren-in-fernost.de
Noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die fleißig für uns gevotet haben!
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